Im Januar

nach dem Jahreswechsel spüren wir es. Eine Welle des Aufbruchs, der Erneuerung ist um uns. Diese Welle erreicht uns, und wir wollen auch surfen.

Sollte ich nicht das kommende Jahr planen? Oh, ich habe vergessen etwas aus dem alten Jahr loszulassen, Mist. Also nochmal reflektieren – nochmal neu ausrichten – Ziele setzten – habe ich die Lichtnächte/Raunächte auch achtsam genug begangen? Welchen Kurs möchte ich belegen? Welche Vorsätze endlich aufnehmen?

In uns fühlen wir uns getrieben

Vielleicht haben wir Angst, den Anschluss zu verpassen – etwas nicht richtig zu machen – zu spät in das neue Jahr einzutauchen?

Ist es das, was wir wirklich wollen? Ist es eine Welle, die wirklich aus unserer ureigenen Quelle entspringt?

Lasst uns still werden, alle unsere Sinne zurückziehen und in uns lauschen. Was sagt deine ureigene Stimme? Möglicherweise ruft sie nach Aufbruch und Handeln. Doch möglicherweise ruft sich auch nach Stille und Ruhen. Kann es wirklich richtig sei – gerade jetzt in der Stille und Langsamkeit zu bleiben?

Vielleicht hilft dir folgende Geschichte für eigene Erkenntnisse:

 

In diesem Weg bin ich verbunden

mit einer lieben Freundin. Es ist unser Weg. Häufig haben wir ihn gewählt, um gemeinsam zu gehen. Es ist ein Weg des Austausches mit ihr, des gemeinsamen Bewusstwerdens. An diesem Wintertag gehe ich diesen Weg nur mir.

In einem sanften Windhauch, wiegen sich am Wegesrand die tief braunen, fast schwarzen, ganz aufrechten Schafgaben. Still, im scheinbaren Winterschlaf stehen sie da, nicken mir zu.  

Dämmerung – begleitet – hüllt mich in Zauber. Eine Gabelung, sonst kaum wahrzunehmen, läd ein. Ich verlasse das gewohnte, ausgetretene – begehe einen Weg – alt, überwuchert, nicht mehr erkannt, nicht mehr gesehen.  Ein dunkler, unbekannter Weg –  in dunklen Monaten – Dezember, Januar.

Ich trete ein,

vertrocknetes, altes Gras –  durchgehe, überwinde – Brombeerdornen. Mein Weg führt weiter.  Eine Tanne grünleuchtend, hüllt mich in ihren Mantel. Das Rauschen der Bäume – das Sprechen – das Zurufen – doch verstehe ich sie nicht. Ich öffne mich – strenge mich an, doch verstehe ich ihre Worte nicht.

Birken, vor mir stehend, dünn, gebogen – das Ende dieses Weges – versandet – im Nichts. Stehen? Beugen? Weiter schreiten? Wo ist der Weg? Wo will ich hin?  Zyklen neigen sich. Wege neigen sich -dem Rund entlang. Weiterschreiten.

Ein Dickicht, in tiefer, tiefer Schönheit,

Pracht. Samtig, saftig, grün –  Moos bedeckte Baumstümpfe mit ihren Ankern, Beinen, Ausläufern.  Eine ganze Baumstumpfgruppe, Samt, weich. Ein Bett für Zwerge, Elfen, breitet sich hier aus. Stehen hier – diese Stümpfe – einst gekappt- dennoch nicht verschwunden – nicht vergangen.  Weilend – hier – zu einer veränderten Schönheit verzaubert.

Der Tag neigt sich tiefer. Dickicht durchstreifend, ganz achtsam, wenig Knacken hinterlassend, keine Störung sein – dennoch Teil sein – eins sein. Verschmelzen, Verbindung. Schönheit des Waldes. Ein kleiner Weg. Sehe deutlich, welche Richtung zu begehen ist. Gelange an wundervolle Fichten, deren immergrünen Zweige sich strecken – sie streifen durch meine Hände, ganz still.

Tiefster Punkt, Mitte des Winters  

Grün und stark – eine Wesenheit lebendiger sich nicht zeigen könnte. Auch hier sprechen die Bäume. In einem leichten sanften Rauschen, durch die Wipfel haucht, durch Zweige. Sich mir zuwenden,  meine Aufmerksamkeit erlangen. Doch verstehe ich sie nicht. Ihre rauschende Botschaft verstehe ich nicht. Stille kehrt ein.

Weitergehen, auf diesem schmalen Pfad. Ein alter, uralter Baum, gefällt von Menschenhand. Ein Rest des Baumes,  zerfällt, dennoch stark hier steht, verwurzelt, verzweigt, den Platz hält, an dem er einst geboren wurde. Nicht vergeht. Durch das Sterben weiterlebt. Weitergehen. So gelange ich an ein Portal von kahlen Laubbäumen. Sie fragen mich, wohin mein Weg geht, was ich hier erkenne – was ist gültig für diesen Moment – auf diesem Weg. Was ist gültig in diesem Wald, was ist gültig für den kommenden Zyklus. Stille. Einheit. Hindurchgehen, Antworten empfangen.

Erfüllt tauche ich wieder auf und kehre in mein Rund, zurück.  – an meinen Anfang, in einen Neubeginn, in einen immerwährenden, unendlichen Kreis.

 

Und so frage ich dich

Was ist es in dir – was ist das dunkle, ursprüngliche, wunderschöne, das nun ruht, an diesem tiefen Punkt – das ruht nach einem Jahr des Tuns. Nun ruht und im nächsten Jahr im nächsten Zyklus, geläutert, wieder aufersteht im neuen Glanz, in neuer Blüte, in veränderter Blüte, in verändertem Standort, in veränderter Ausrichtung. Wodurch gehst du? Welchen Tod stirbst du? Welche Stille lebst du? Welcher Weg endet hier, in diesem Winter. Welchen neuen Weg begehst du? Wie richtest du dich aus? Auf das Gute und Schöne? Auf ein mehr an Liebe, Frieden und Freiheit? Welche Lebensbereiche darf es betreffen? Wer oder was darf dir Weisheit schenken?

 

Die Schafgabe

schenkt dir ihr Wissen, ihre Präsenz. Sie ist dir ein Spiegel, in dem sie sich selbst spiegelt. Sie steht aufrecht, im tiefsten braun, und bezeugt. Sie bezeugt eine Kraft, die allem innewohnt. Sie bezeugt das wiederkehrende Licht. Sie bezeugt ihr Leben, selbst dann, wenn sie ganz still, ganz ruhig, ganz dunkel steht und weilt.

Die Fichte

mit ihren grünen Nadeln, mit ihrem Rauschen, schenkt dir ihren Mantel, ihre Hülle, ihren Schoss. Das immergrün, das immer lebendig ist, erinnert dich an das immerwährende Licht – an dieses Feuer in dir –  das nie ganz erlischt – egal wie dunkel es dir scheint. Auch wenn außen herum es tot und still erscheint. Die Fichte schenkt dir vertrauen, dass das Licht sich zur gegebenen Zeit wieder neu entzündet und aufersteht.

 

Ist es für dich schon Zeit aufzutauchen? Was sagt die unendliche Quelle in dir? Auftauchen? Zeit für Stille? Vertraue – du verlierst nichts, du verpasst nichts, deine Zeit, deine Stille.

Viel Freude beim in dich hören.

Danke, dass du bis hier hin gelesen hast!

Deine Claudia Saviera